Gorillas klagt weiter gegen Betriebsratswahl​

Der Berliner Lieferdienst gibt sich nicht geschlagen und geht weiter gegen die Betriebsratsgründung vor. Vor dem Arbeitsgericht geht es in die nächste Runde.

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Mitarbeiter des Lieferdienst-Startups Gorillas bestreiken ein Berliner Auslieferungslager und fordern bessere Arbeitsbedingungen.

Streikaktion vor einem Gorillas-Warehouse in Berlin.

(Bild: Timeckert/Shutterstock.com)

Von
  • Volker Briegleb

Der Lieferdienst Gorillas versucht weiterhin, die für nächste Woche angesetzte Betriebsratswahl zu verhindern. Das Unternehmen hat Beschwerde gegen die Entscheidung des Berliner Arbeitsgerichts eingelegt, das den Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Wahl abgelehnt hatte. Nun muss die nächsthöhere Instanz den Fall im Eilverfahren prüfen. Dafür ist eine mündliche Verhandlung am Dienstag, dem 23. November, angesetzt, teilte das Landesarbeitsgericht Berlin am Freitag mit.

Bei dem Lieferdienst soll vom 22. bis 26. November ein Betriebsrat gewählt werden. Die Vorbereitungen für die Wahl laufen seit dem Sommer; die Mitarbeiter haben dafür bereits einen Wahlvorstand gewählt. Schon die Vorbereitungen der Wahl seien von der Unternehmensleitung massiv behindert worden, werfen die Organisatoren dem Management vor. Das beteuert, nichts gegen einen Betriebsrat an sich zu haben, will aber in der Vorbereitung "diverse schwerwiegende Fehler" erkannt haben und stellt deshalb "die Gültigkeit der anstehenden Wahl infrage".

Am Mittwoch hatte das Arbeitsgericht den Antrag des Unternehmens zurückgewiesen, die Wahl per einstweiliger Verfügung zu verbieten. Der Abbruch einer laufenden Betriebswahl erfordere "ganz erhebliche Gründe", die Gorillas nicht vorgetragen habe, lautete es zur Begründung. Zudem habe der Arbeitgeber nicht hinreichend erklärt, wie eine geplante Umorganisation des Unternehmens einer Betriebsratswahl entgegenstehen sollte.

Gorillas hatte kurz vor dem Gerichtstermin angekündigt, die Unternehmensstruktur zu ändern. "Gorillas plant in ausgewählten Warehouses in Berlin ein Franchise-Modell zu testen, um diesen mehr Eigenständigkeit und Gestaltungsspielraum zu ermöglichen", teilte das Unternehmen mit. Mehr Eigenständigkeit bedeutet aus Sicht des Managements dann auch, dass ein Betriebsrat nicht mehr für die nominell selbstständigen "Warehouses" zuständig wäre.

Für den Rechtsanwalt des gewählten Wahlvorstands ist das ein durchsichtiges Manöver, um die Betriebsratsgründung zu unterlaufen. Es habe zwei Betriebsveränderungen innerhalb von rund zwei Wochen gegeben, sagte Arbeitsrechtler Martin Bechert der dpa. "Ansonsten schaffen sie es nicht, ordentliche Gehaltsabrechnungen zu erstellen. Für mich spricht das Bände."

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Bei den Gorillas hängt seit Monaten der Haussegen schief. Mitarbeiter protestieren gegen Arbeitsbedingungen und fordern bessere und pünktliche Entlohnung. Darüber hinaus sollen Arbeitsverträge entfristet und entlassene "Rider" wieder eingestellt werden. Die Fahrradkuriere legen mit Streikaktionen immer wieder einzelne Auslieferungslager des mit über einer Milliarde Euro bewerteten Startups lahm. Gorillas hat streikende Mitarbeiter gefeuert, wogegen diese geklagt haben. Am Arbeitsgericht Berlin sind nach Angaben einer Sprecherin Dutzende Verfahren anhängig.

Das Geschäftsmodell von Gorillas ist die hyperlokale Lebensmittellieferung. In nur zehn Minuten liefert das Startup die Dinge des täglichen Bedarfs, die man in einer App bestellen kann. Dafür betreibt das Unternehmen zahlreiche kleine Lager im Stadtgebiet, von denen aus die "Rider" genannten Fahrradkuriere die Bestellungen ausliefern. Das Unternehmen expandiert stark und ist in 18 deutschen Städten sowie in Frankreich, Italien, den Niederlanden und Großbritannien unterwegs.

(vbr)