Facebook geht stärker gegen sexuelle Belästigung Prominenter vor

Das Netzwerk erweitert seine Richtlinien zu Mobbing und Belästigung. Sexuell belästigende Inhalte bezüglich prominenter Personen werden rigoros gelöscht.

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Glaspalast, davor großes Schild mit Facebook-Daumen

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Frank Schräer

Facebook erweitert seine Richtlinien gegen Mobbing und Belästigung. Im Vordergrund stehen dabei sexualisierende Inhalte und Verunglimpfungen, die sich gegen prominente Personen richten. Dazu gehören auch koordinierte Belästigungen einzelner Nutzer, seien sie nun weitreichend bekannt oder nicht. Entsprechende Facebook-Profile, -Gruppen, -Seiten oder -Veranstaltungen sollen umgehend gelöscht werden.

Anlass der Einführung der neuen Regeln ist der "nationale Tag zur Prävention und Aufklärung von Mobbing" in den USA gestern, wie Facebook im eigenen Blog schreibt. Das soziale Netzwerk will seine Nutzer nun stärker vor massenhafter Belästigung und Einschüchterung schützen. Dabei geht es nicht nur um aus Funk und Fernsehen bekannte Prominente, sondern auch um Personen, die aufgrund ihrer Tätigkeiten einen höheren Bekanntheitsgrad erreicht haben. Dazu zählen beispielsweise Journalisten, Dissidenten oder Verteidiger der Menschenrechte.

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Eine sexuelle Darstellung oder Verunglimpfung könne den Eindruck einer Person des öffentlichen Lebens beeinträchtigen und als Waffe gegen sie genutzt werden, sagt Facebook. Es will fortan "unerwünschte sexualisierte Kommentare" und wiederholte Angriffe, die eine Person sexuell belästigen, entfernen. Da "unerwünscht" eine subjektive Einschätzung ist, will sich Facebook auf zusätzlichen Kontext der Person verlassen, der dieser Missbrauch widerfährt.

Facebook war zuletzt nicht nur wegen des eigenen Totalausfalls, der auch die Töchter Instagram und WhatsApp betroffen hat, in den Schlagzeilen. Die Ex-Mitarbeiterin und Whistleblowerin Frances Haugen hat bei einer Anhörung im US-Parlament deutlich Kritik an Facebook geübt. Demnach sei Facebook "nicht kompatibel mit Demokratie", denn das Unternehmen stelle stets Profit über Allgemeinwohl. Gleichzeitig fehle Transparenz, beispielsweise bezüglich der Zusammenstellung des Newsfeeds. Algorithmen entscheiden auf Basis von Kommentaren, Likes und Weiterverbreitungen, wer bei Facebook und Instagram was vorgesetzt bekommt. Ob ein Kommentar freundlich, hasserfüllt oder Mobbing sei, spiele für die Bewertung keine Rolle.

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Die nun erweiterten Richtlinien zu Mobbing und Belästigung Facebooks umfassen auch das Abzielen auf erwachsene oder minderjährige Privatpersonen. Untersagt sind dabei gezielte Beschimpfungen, Behauptungen über Liebesbeziehungen, die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität, negative Behauptungen über den Charakter oder die Fähigkeiten sowie Ausdrücke von Verachtung oder Ekel. Bei Erwachsenen ist allerdings eine Eigenmeldung erforderlich, damit sich einer der etwa 15.000 Facebook-Zensoren diesen Inhalten annimmt.

(fds)